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Die Rechte an allen Bildern liegen beim Ersteller der Seite


Aktuelles

Schwache dunkle Schatten schauen unter dem Kragen am Hals hervor.


Einleitung

Obwohl ihm der Schmerz die Tränen in die Augen trieb und sich der Sternenhimmel über ihm zwischen Schlieren und flackernden Lichtpunkten auf Übelkeit erregende Weise zu drehen begann fing Mortimer an zu lachen. Ein heiserer, tonloser Laut, krächzend und erstickt, der schaurig und zugleich entsetzlich heiter klang.

“Was bist du nur für eine abscheuliche Kreatur Mortimer Wittgenstein.“, wisperte eine Stimme in seinen Gedanken.

“Abscheulicher als du dir vorstellen kannst, mein Freund.“


Aussehen

»Nun meine Herren, wie wäre es wenn wir zur Etikette zurückkehren und uns erst einmal angemessen gegenseitig herabwürdigen bevor wir zu Tätlichkeiten übergehen. Wir sind hier schließlich unter zivilisierten Leuten.«

Mortimers Haar ist  sandfarben und fällt glatt. Es fehlt ein richtiger Schnitt was seiner Frisur immer einen gewissen wirren Anstrich verleiht. Hohe, deutlich hervortretende Wangenknochen,erzählen von edlem Geblüt, wobei das schmale Kinn und die ansonsten eher geschwungenen Züge die harten Linien wieder aufbrechen und ihm insgesamt ein eher jungenhaftes Aussehen verleihen. Er besitzt nur noch ein Auge von intensiv blauer Farbe. Die andere Augenhöhle füllt ein geschliffener weißer Opal, der das Licht in den verschiedensten Farben reflektiert. Eine schmale helle Narbe zieht sich dort von kurz über der Augenbraue bis auf die Wange. Er ist unschwer zu erkennen Linkshänder. Die rechte Hand ist bandagiert. Was auch immer er darunter verbirgt scheint ihn jedoch nicht merklich einzuschränken.

Mortimer ist klein und schmal gebaut und macht einen eher zierlichen Eindruck. Sein Kleidungsstil erzählt von Vermögen wenn er auch ansonsten auf Zierrat wie Ringe oder Armreifen verzichtet. Sein einziger Schmuck besteht aus einer schlichten, dünnen Goldkette an der ein skelettierter Vogelschädel wo wie ein Siegelring hängen. Dafür sind die Arbeitsmaterialien die er benutzt umso schmuckvoller verziert. Pinsel und Malmesser sind kunstvoll beschnitzt und teilweise mit Gold belegt, ebenso wie das Buch das er jederzeit und überall bei sich zu tragen scheint. Allen Pinseln ist gemein, dass sie eine spitze metallene Kappe am Stiel tragen. 


Besitz

»Stimmt ihr einer Durchsuchung zu?«, fragte er schließlich, woraufhin sich das amüsierte Grinsen auf Mortimers Gesicht um eine weitere Nuance vertiefte.

»Aber natürlich.«


  • Unter dem Hemd verborgen ruht auf seiner Brust ein Lederband mit einem Anhänger der entweder aus blauem, klarem Kristall oder aus Eis bestehen muss. Rote schlieren durchziehen ihn und er strahlt eine spürbare Kälte aus.

Inhalt der Taschen

  • Malutensilien
  • Schreibzeug
  • Skizzenbuch
  • Erste-Hilfe-Set (klein)
  • Schatulle mit Platz für zwei Augengroße Steine. Darin ein blauer Opal.
  • Köderbeutel für Taschendiebe (50 Gil)
  • Kontaktperle
  • Schere

Abgesehen vom Inhalt seiner Taschen kann man Mortimer gelegentlich mit folgenden Gegenständen hantieren sehen:

  • Staffelei
  • Geige
  • Rapier und Linkhand
Mortiratte


Verhalten

»Manche Dinge spotten einfach jeder Beschreibung.«


  • Ein stetiges schmales Lächeln auf dem Gesicht wirkt Mortimer wie ein charmanter junger Mann mit gutem Benehmen der sich gewählt ausdrücken und interessant unterhalten kann.


Fähigkeiten

»Es ist einfach und schmerzlos Selbstmord zu begehen. Alles was du brauchst sind schlechte Manieren.«


  • Als Sohn aus gutem Haus hat Mortimer eine umfassende Erziehung genossen, die neben einer breiten Allgemeinbildung, Reiten, Fechten, Tanzen, Rhetorik und Etikette umfasst.

»Herzlich willkommen im Atelier. Hier ist mein Reich. Hier spielen wir nach meinen Regeln«


  • Mortimer ist ein musisches Ausnahmetalent. Neben seinem Steckenpferd, den bildenden Künsten, vor allem der Malerei, beherrscht er den Umgang mit der Geige und hat eine versierte Singstimme. Zudem besitzt er Talent im Umgang mit Sprache.

»Diese sogenannten Äthergramme sind nicht einmal das Papier wert auf dem man sie schreibt. Es ist enttäuschend zu sehen mit welch minderwertigem Ergebnis man sich beim Erschaffen dieser Symbole zufrieden gegeben hat.«


  • Mortimer bedient sich einer ganz eigenen Form der Äthermagie die eindeutig auf den Grundlagen der Hermetik fußt, aber auf einen zweiten Blick einen deutlich anderen Ansatz verfolgt.

»Und dann stürzte ich in die Galerie...«

Beziehungen und Gesinnung

»Er begreift die tiefere Faszination dieser Dinge nicht. Und was er nicht begreift macht ihm Angst. Und weil er mich nicht begreift mache ich ihm Angst. So funktionieren eben vernünftigen Menschen.«

Beziehungen

Familie

»Zu diesem Zeitpunkt hat mein Vater noch gehofft er könne aus mir einen vernünftigen Menschen machen. Mittlerweile sind wir uns darüber einig geworden, dass er mit seinen Bemühungen gescheitert ist.«

  • Lucretia Wittgenstein: Mutter
  • Herothinas Coldren: Vater
  • Melchior Coldren: Onkel väterlicherseits
  • Ludwig Wittgenstein: Onkel mütterlicherseits (verstorben)

Freunde

... und er wollte sie nur ungern gegen eine Hand voll toter Strauchdiebe eintauschen. Auch wenn es dekorative tote Strauchdiebe waren.

»Leidenschaft entsteht dort, wo sich zwei Fremde auf der Flucht vor Dritten zufällig begegnen…« Elmar Kupke


Bekannte und Kameraden

»Schlaf Kindlein Schlaf...«

»Jedes Individuum definiert seine eigene Grenze, ich erhebe mich über meine.«

»Schließt eure Türen, den Balken legt vor,
auf Frauen und Kinder gebt acht, verwahrt das Feuer und geht nicht ans Tor:
Die Wilde Jagd reitet heut Nacht!«

»Ich wüsste zu gerne ob du die Bürde meiner Geheimnisse tragen könntest.«

»Einen Tee, meine Liebe?«

»Eure Geheimnisse sind bei mir sicher.«


Das Gesicht kenne ich

»... und ich verabscheue Allgemeinplätze.«


Ungemocht bis gehasst

In völliger Gelassenheit lehnte er sich zurück und genoss den Gedanken ihm den Vormittag zu versauen. Totschlag erfüllte den Raum.


In Erinnerung

Gesinnung

»Ich bin nicht intolerant gegenüber Völkern und Kulturen. Ich bin intolerant gegenüber Individuen.«

Gerüchte

»Ich bedaure sehr euer Bild von mir korrigieren zu müssen: Was auch immer ihr über mich gehört habt, ich bin mir sicher es ist maßlos untertrieben.«

Gerüchte

Dieser Bereich darf gerne interaktiv benutzt werden. Tobt euch aus. Ich behalte mir vor groben Unfug zu löschen.

Überall

  • "Wittgenstein? Extrem begabt aber furchtbar exzentrisch. Schwierig im Umgang und sehr wählerisch in der Wahl seiner Modelle. Ich vermeide es mit ihm zu arbeiten."
  • "Das soll Kunst sein? Das ist abartig!"
  • "Natürlich ist er charmant. Trotzdem lässt du dich besser nicht mit ihm ein. Er bricht dir nur das Herz."

Limsa Lominsa

  • "Sie haben im Panda alles von der Karte bestellt und er hat es einfach so bezahlt!... Einfach so!"

Gridania

  • "Geisteskrank! Die ganze verdammte Wittgensteinbrut."
  • "Er hat in einem Ehrenduell ein Auge verloren."
  • "Er hat bei einem Unfall ein Auge verloren."
  • "Er ist verhaftet worden. Angeblich war er in eine Kneipenschlägerei verwickelt."

Ul'Dah

  • "Er ist bei diesem Ansil eingezogen, hab ich gehört. Wie sagt man doch so schön: Gleich und Gleich gesellt sich gern."
  • "Gute Manieren, dass ich nicht lache. Sieh ihn dir doch an. Ständig übersäht von Blessuren wie ein Schläger." 🐀
  • "Schnee in Thanalan? Das ist doch lächerlich."
Mögliche Kommunikationsansätze
  • Kunstinterssierte und Künstlerkollegen könnten seinen Namen schon einmal gehört haben und bei Interesse mit einem Auftrag an ihn herantreten.
  • Er behauptet von sich eine 'weiterentwickelte' Form der Hermetik zu beherrschen.


Kunst
Skizzenbuch

Alle hier erwähnten Skizzen und Bilder zeichnen sich durch eine besondere Lebendigkeit und handwerkliche Perfektion aus und stechen dadurch beim Durchblättern aus den übrigen Werken hervor:

Portrait / Lucretia Wittgenstein (Innenseite des Buchdeckels)

Ihr Gesicht wirkt alterslos und dabei fragil wie aus Porzellan. Die langen blonden Haare fließen über ihre schmalen Schultern als hätten sie kein Gewicht. Eine stille hintergründige, Schönheit geht von dieser Frau aus und das leichte Lächeln auf ihren Lippen verleiht dem Portrait einen Anflug von Wärme. Die Familienähnlichkeit mit Mortimer ist unverkennbar.

Szene: Die wilde Jagd / Ludwig Wittgenstein

Die Szenerie ist gespenstisch, eindringlich, beinahe verstörend. In unterschiedlichsten Rottönen, als wäre sie in Blut getaucht, windet sich vor dem Hintergrund eines nächtlichen Waldes eine Kreatur, halb Hund, halb Mensch, deren mehrere Köpfe und Mäuler sich gegenseitig jagen, oder von Händen und Armen gepackt werden die sich wiederum in diesem grotesken Knäuel aus Leibern und fragmentarischen Körpern verlieren. Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Geschickt gelenkt durch Farbe und Kontrast das Gesicht eines Mannes in einem Zwitterzustand, gleichsam Jäger und Gejagter.

Szene: Totes Mädchen / Isharia Acedia

Die Augen weit offen, groß und leer wie zwei grüne Perlen, auf ihr eigenes Blut gebettet wie auf ein rotes Kissen, liegt eine junge Frau am Boden im Staub während ihr offenes blondes Haar sie umfließt wie ein See aus Gold. Das spärliche Licht einer Lampe erweckte flackernd Gespenster. Lügt Bewegung in ihre Kleider, wo ihre Brust sich längst nicht mehr hebt und senkt.

Szene: Kampf und Starre / E'Luvien Alanthis und Szayel Lyhre

Die Augen der beiden Miqo‘te sind auf eine seltsame Art und Weise leer während ihre Blicke einander trotzdem mit fast spürbarer Intensität fixieren. Die am Boden liegenden Körper wirken im Kontrast zu aller Reglosigkeit auf eine Art Und Weise in einander verkrampft die Aggression und Gewalt ausstrahlt. Ein stummer, bewegungsloser Kampf der die eigentlich Starre der Situation auf bemerkenswerte Weise mit Leben und Stimmung erfüllt, obwohl nichts darauf hindeutet dass die zwei Protagonisten noch am Leben sind.

Portrait: Zwei Gesichter / Kihde'ra Jhagdo

Die beiden Gesichter die einander den Rücken zudrehen gehören ein und dem selben jungen Mann erzielen jedoch eine stark kontrastierte Wirkung. Wo das eine einen puppenhaften, toten Eindruck erweckt, strahlt das andere eine geradezu fieberhafte Lebendigkeit aus. Die puppenhafte Version Kihde'ras besitzt keine Augen.

Weitere Bilder:

Szene: Brennende Leiche / Unbekannter Hyuran

Die noch immer in magischem blauen Feuer brennende Leiche des jungen Mannes ist im wahrsten Sinne des Wortes „in Stücke gerissen“. Kleiderfetzen bedecken den Boden und illuminieren die schaurige Szene mit einem unnatürlichen blauen Glühen. Die Bauchdecke der nackten Leiche ist aufgerissen und ihre Eingeweide liegen vor ihr ausgebreitet wie ein organisches Mosaik. Im Hintergrund sind Knochen und Schädel zu grotesken Skulpturen arrangiert die von Dunkelheit und Nebel zu unscharfen Silhouetten verzerrt werden.

Prosa

Halwith

Rechtschaffen erschöpft aber hoch zufrieden streckte Mortimer seine müden Glieder im dampfenden Zuber aus. Ihr kleiner Ausflug in die Kanäle war mehr als erfreulich verlaufen und hatte ihm einige äußerst unterhaltsame und vor allen Dingen höchst interessante Stunden beschert. Lediglich der penetrante Geruch nach Moder und Abfall der ihn wie eine Aura der Verwesung umgab war ein hartnäckiges, unangenehmes Ärgernis. Es klopfte an der Tür.
»Herr Wittgenstein… bitte verzeiht dass ich euch störe. Hier ist ein Bote für euch. Es scheint dringend zu sein. Sie hat darauf bestanden euch unverzüglich zu informieren.«, drang das Stimme des Wirtes gedämpft zu ihm herein. Mortimer setzte sich im Zuber auf machte jedoch keine Anstalten aufzustehen oder sich nach seinem Handtuch zu strecken. »Dann schickt sie bitte herein. Ich kann eine Dame natürlich nicht warten lassen.«
»Wie ihr wünscht.«
Schritte entfernten sich von der Tür nur um sich kaum eine Minute später in doppelter Anzahl wieder auf dem Flur einzufinden. Es klopfte erneut, doch dieses Mal wartete man seine Reaktion nicht ab. Eine junge Frau trat herein, deren nichtssagendes Gesicht das von stumpfem braunem Haar umrahmt wurde, irgendwo in seinem Hinterkopf eine leise Glocke zum Klingen brachte. Ein Anflug von Erkennen. Doch wann und wo sie einander zuvor begegnet waren konnte er sich beim besten Willen nicht in Erinnerung rufen. Nicht dass sich übermäßig darum bemüht hätte. Aber der Anstand gebot ihm wenigstens einen Versuch.
Sie hielt sich nicht lange mit Höflichkeiten auf… »Herr Wittgenstein, ich habe eine Nachricht für dich von…« … bis sie sich der Szenerie und seiner offensichtlichen Nacktheit bewusst wurde und peinlich berührt die Hände vor das Gesicht schlug. Röte blitze zwischen ihren Fingern hervor und sie fuhr auf dem Absatz herum um ihm den Rücken zuzudrehen. Er grinste schamlos.
»Bei allen Göttern… es tut mir leid... ich wollte… nicht…«, stammelte sie verunsichert und obwohl er den Blick nicht sehen konnten mit dem sie den Wirt bedachte war seine Bedeutung problemlos aus dessen Reaktion zu interpretieren. Osrig setzte ein unschuldiges Gesicht auf und hob zurückweisend beide Hände.
»Sieh mich nicht so an. Ich hab dir gesagt er ist unpässlich Mädchen.«, erklärte er und bedachte Mortimer an ihr vorbei mit einem knappen Nicken…
»Herr Wittgenstein.«
… bevor er sich umwand und die Tür hinter sich zuzog. Er konnte hören wie sie tief einatmete, offenbar bemüht sich zu sammeln.
»Also… ich bin hier um euch…«
»Wärt ihr so freundlich mir ein Handtuch anzureichen?«, unterbrach der junge Künstler sie und seine Stimme tropfte beinahe vor Freundlichkeit.
»Ich will den Boden nicht überschwemmen und der Dienstmagd Arbeit machen.«
»Ha… ha… Handtuch. Natürlich. Moment.«
Ihre Augen wanderten suchend im Raum umher, penibel darauf bedacht ihn dabei nicht anzusehen und blieben schließlich an der Kleidertruhe hängen auf der er die beiden Handtücher abgelegt hatte. Tatsächlich war die Mühe die er den Angestellten machte Mortimer vollkommen gleichgültig. Er empfand einfach ein diebisches Vergnügen dabei mit ihrer Scham und Berührtheit zu spielen. Die junge Frau griff sich eines der beiden Handtücher und näherte sich mit dem Rücken voran, den Arm weit nach hinten ausgestreckt dem Zuber und zuckte sichtlich zusammen als sie hörte wie Mortimer sich hinter ihr erhob. Sie schätzte jedoch die Entfernung falsch ein und stieß nach den nächsten zwei zögerlichen Schritten bereits gegen den Holzbottich, strauchelte und wurde von dem jungen Adligen aufgefangen. Als sie seine Berührung spürte schien sie für einen Moment regelrecht zu versteinern, bevor sie vor ihm zurücksprang wie eine Katze der er auf den Schwanz getreten war. Das Handtuch fiel neben dem Waschzuber zu Boden.
»Ent… entschuldigung.«, stammelte sie glühend, fischte es auf und schob es noch einmal in seine Richtung. Er nahm es ihr aus der Hand, trocknete sich flüchtig ab und schlang es sich um die Hüften. Sie atmete hörbar aus.
»Und? Wie kann ich euch nun helfen?«
Zögernd und unsicher wagte sie einen Blick über ihre Schulter. Drehte sich dann vollends zu ihm um, als sie feststellte, dass er nicht länger vollkommen nackt war.
»Also… ich soll dir von Myron folgendes ausrichten: Du sollst dir das Dorf selbst ansehen.«
Während sie sprach trat er an den Nachttisch heran wo Kamm und Bürste lagen.
»Er meinte du wüsstest dann worum es geht.«
Mortimer nickte. Das wusste er in der Tat. Sie hatten gerade erst über Halwith und die Gerüchte die über das Dorf kursierten gesprochen und er hatte eine hübsche Summe Geld für diese Informationen bezahlt. Halwith war nicht weit entfernt. Und was auch immer sich dort zugetragen hatte war von den unterschiedlichsten Seiten mit Interesse zur Kenntnis genommen worden, während die offiziellen Stellen sich darum bemühten jegliches Gerücht bereits im Keim zu ersticken. Ein Stillschweigen das ihn nur umso neugieriger machte.
»Richte ihm meinen Dank aus.«, antwortete er und sie nickte eifrig, offenbar erleichtert aus dieser unangenehmen Situation entlassen zu sein.
»Natürlich! Sofort! Ich… gute Reise Herr Wittgenstein.«, bekundete sie eilig und floh dann, noch immer mit glühenden Wangen aus dem Raum. Mortimer unterdes kleidete sich in aller Ruhe an. Er war müde, nach dem warmen Bad regelrecht erschöpft, entschied sich jedoch trotz allem sofort aufzubrechen. Bis es dunkel wurde konnte er noch ein wenig Strecke machen und würde das alltägliche Hin und Her das sich jeden Morgen in der Stadt abspielte umgehen. Mehr noch als sein Unwillen Zeit mit solchen Modalitäten zu verschwenden trieb ihn jedoch seine Neugier wieder zurück auf die Beine. Der Tod war in den Gerüchten um Halwith zu Hause. Und der Tod machte ihn grundsätzlich immer neugierig. Er ließ sich von Osrig ein Proviantbündel schnüren und hinterließ für seinen Onkel eine kurze Notiz. Dann machte er sich auf den Weg.
Als die Sonne sich zwei Stunden später dem Horizont entgegen neigte suchte er in einem der zahlreichen Gehöfte die ganz typisch als sprichwörtlicher „Speckgürtel“ die Stadt umgaben Unterschlupf vor dem ungemütlich feuchten Winterwetter. Man empfing ihn misstrauisch - Fremder Besuch war nicht immer und nicht überall willkommen. - verweigerte ihm jedoch die Gastfreundschaft nicht. Und so schlief er bis zum Morgengrauen warm und trocken vor dem geschürten Kamin bevor es ihn wieder auf die Straße zog. Kurz nach Sonnenaufgang passierte er den ersten verwaisten Hof. Seit mit den Überlebenden auch ihre Geschichten die Stadt erreicht hatten war das Dorf in den Köpfen der Zuhörenden zu einem Tabu geworden. Zu einem verfluchten, von den Göttern verlassenen Ort. Nicht einmal Wachpatrouillen hatten sich seit dem Abschluss der offiziellen Ermittlungen dorthin vorgewagt. Von Rückkehrern ganz zu schweigen. Diejenigen denen ein Entkommen nach Gridania gelungen war, die hatten ihr Hab und Gut, ihre Häuser und Äcker aufgegeben. Von weitem wirkte Halwith vollkommen unangetastet. Verlassen aber nicht wie ein Dorf in dem sich eine Katastrophe derartigen Ausmaßes abgespielt hatte. Erst bei näherem Hinsehen wurden die Spuren sichtbar die das Ereignisse hinterlassen hatte. Der Boden war an vielen Stellen geschwärzt und welkes Gras bedeckte tot und kraftlos verbrannte Erde. Regen und Nebel hatten die Asche mit der die Gebäude bedeckt waren zu einer schmierigen grauen Schicht aufgeweicht, die sie wie eine Totenmaske bedeckte. Die Häuser waren in ihrer Substanz unangetastet, doch in den Putz der Wände waren an mehreren Stellen tiefe parallele Rillen eingegraben. Dort wo die Feuchtigkeit es nicht hatte fortwaschen können waren sie mit den chaotischen Mustern geronnenen Blutes bemalt. Knochensplitter leuchteten weiß in der Mittagssonne aus dem grauen Schlamm. Und über der ganzen Szenerie lag eine Grabesstille.
Mortimer war höchst angetan.
Er band das Pferd an einen Weidezaun und überbrückte die letzten Meter zu Fuß. Hielt noch bevor er die ersten Gebäude passierte seinen Eindruck auf dem Papier fest. Als seine Schritte ihn über eines jener gezackten toten Locher in der Grasnarbe führten hockte er sich ab und ließ die Fingerspitzen über den bloßgelegten Erdboden wandern. Er war seltsam Substanzlos. Grau. Und zerfiel sofort unter seiner Berührung in lose Brocken zwischen denen tote Insekten wie Ghule ihre Beine und Fühler ans Tageslicht streckten. Die Vision überfiel ihn unerwartet und heftig und er stürzte in die Galerie, durch den Rahmen und direkt in die Szenerie hinein. Ein allumfassender, sengender Schmerz erfasste seinen Körper, doch er schrie nicht. Konnte nicht schreien, denn dort wo ehemals seine Lippen gewesen waren tropfte sein Fleisch ihm als formlose zähe Masse über das Kinn. Sein Gesicht zerlief und die fremden Augen durch die Mortimer blickte starrten von stummem Entsetzen gelähmt in die albtraumhafte Fratze einer Nichtskreatur. Sie hatte weder Nase noch Augen. Stattdessen dominierten drei beständig bebende Schlitze ähnlich Kiemen und ein unmöglicher runder Mund den Kopf des Monstrums. Grüner, dampfender Geifer tropfte von hautlosen wulstigen Lippen. Und obwohl seine Nase bereits zu einem sengenden, brennenden Klumpen Gewebe zusammengefallen war konnte er ihn riechen. Durchdringend und ätzend. Der Geruch seines Todes. Dann spukte das Biest ihn ein weiteres Mal an und er spürte wie sein Körper sich aufzulösen begann.
Keuchend kam er zu sich. Nahm sich die Zeit den Bildern nachzuspüren. Offenbar hatten die Überlebenden bei ihren Schilderungen nicht übertrieben.
“Ein grässlicher Schrecken, gekleidet in Fetzen von Fleisch.“, hatte Myron beispielhaft in seinen Berichten vermerkt. Und es schien als wäre hier wesentlich mehr als nur ein einziger Schrecken am Werk gewesen. Gemessenen Schrittes tauchte er zwischen die ersten beiden Häuser ein, wo er inne hielt und die Spuren im Putz der Mauer studierte. Als er aus reiner Gewohnheit den Unterarm daneben legte um Länge und Breite abzuschätzen stürzte er ein weiteres Mal. Vor ihm hatte sich auf übermannshöhe die Wirklichkeit aufgetan. Ein scharf umrissener und sich doch beständig verändernder senkrechter Spalt der in eine bodenlose Schwärze führte deren Anblick ihm alleine durch seine Fremdartigkeit den Magen umzudrehen schien.
»Unmöglich… Das ist unmöglich… Das ist…«
Seine eigene Stimme klang hohl und von Entsetzen verzerrt. Er erkannte sie kaum wieder. Sie kaskadierte zu einem hohen Schrei und erstarb dann auf seinen Lippen als sich eine Klaue mit der Unbarmherzigkeit eines Schraubstockes von hinten um seinen Nacken schloss. Schmerz schoss seinen Rücken hinab, als er vom Boden gehoben und wie ein Spielzeug umhergeschleudert wurde, während er auf die Schwärze zustürzte. Sie umfing ihn mit der Endgültigkeit des Todes. Die Häufigkeit der Visionen nahm zu, je weiter er sich dem Dorfplatz näherte. Sie überkamen ihn in immer rascherer Abfolge und vermischten sich bald zu einem Strom aus Leid und Sterben. Er war und sah Hyuran, die von unaussprechlichen Kreaturen verbrannt, versteinert, eingefroren, aufgelöst oder schlicht und einfach niedergemacht wurden. Riss um Riss tat sich in der Wirklichkeit auf und entließ eine Albtraumarmee in die Gassen Halwiths die sich springen, kriechend, fliegend oder rennend über die Bewohner hermachte. Es war ein Schlachtfest. Und Mortimer stürzte, wie berauscht durch all die Angst, den Schmerz und den Schrecken, von Szenerie zu Szenerie. Schrie, litt, starb und genoss. Und versank dabei immer tiefer im Taumel der Vernichtung.
Plötzlich wurde er nach hinten gerissen und für einen Moment wurde der Schmerz so intensiv, dass er die Grenze des Erträglichen berührte. Etwas zerrte an seinem Geist wild und kalt und unnachgiebig und er taumelte benommen ins Atelier hinein wo Er ihn bei den Handgelenken packte und rücklings gegen eine Wand stieß. Notizzettel flogen auf und regneten wie fallendes Herbstlaub auf sie herab. Die Augen der Kreatur brannten vor Zorn. Ein eisiges, blaues Feuer. »Hör auf!«, fauchte sie und grub die Klauen so fest in Mortimers Fleisch, dass Blut wie ein dünner roter Strom seine Arme hinablief. Warm und lebendig. Der junge Adlige erbebte unter der Berührung bis ins Mark.
»Genug davon!«
Von Schwindel, Rausch und Schmerz betäubt leistete der Künstler keinen Widerstand. Schwieg. Forschte in dem viel zu vertrauten Gesicht und war überrascht von der frostigen Erbitterung die ihm daraus entgegen schlug. Doch er war zu benommen um sie richtig zu deuten. Die Schreie Sterbender hallten durch seinen Verstand. Machten es ihm schwer seine Gedanken zusammenzuhalten. Er lächelte. Entrückt. Schmerz trunken.
»Dann sieh nicht hin.«, hauchte er leise. Ein gutmütiger Tadel in seiner Stimme, woraufhin die Kreatur ihn unsanft mit einer Hand bei den Haaren packte, als könne sie ihn auf diese Weise davor bewahren zurück in den Strom der Bilder einzutauchen, der mit lockender, süßer Stimme nach ihm rief. So viel Leid. So deutlich und greifbar. So… intensiv. Und er brauchte nur die Arme danach auszustrecken um es zu erleben. Mehr. Tiefer. Er musste nur loslassen. Es war ganz einfach. Die Andere presste sie flach auf Mortimers Brust.
»Ich kann nicht! Ich fühle ihren verdammten Schmerz durch dich Wittgenstein!«, fauchte sie schneidend.
»Aber vor allem fühle ich dass du dich in ihren Leiden verlierst. Also wach endlich auf!«
Eisige Kälte hüllte ihn ein und kroch unter seine Haut. Er begann zu zittern. Raureif erblühte auf seinem Hemd.
Bekränzte seine Haare. Und als er spürte wie der letzte Rest von Wärme seinen Körper zu fliehen begann… erwachte er. Bebend und erbärmlich frierend sackte er auf dem verlassenen Dorfplatz Halwiths in sich zusammen. Um ihn herum hatte eine dünne Eisschicht den Boden bedeckt. Schneeflocken rieselten aus seinen Kleidern und gefrorener Nebel flüsterte knisternd darin mit körperloser Stimme. Und zusammen mit dem Schnee fielen die Visionen von ihm ab. Sein erfrierender Körper hatte ihn zurückgerufen.

Galerie

 Morti Geige

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